REGIE 

Grand prix de la vision

von Laura Naumann (UA)
Schauspielhaus Chemnitz

 

Regie | Alexandra Wilke

Bühne | Hugo Gretler

Kostüm | Aghate Mac Queen

Video | Katharina Merten

Dramaturgie | Christin Ihle

Mit | Anne Kathrin Buz, Shari Asha Crosson, Brian Völckner, Runa Pernodes Schäfer

 

Vier Frauen sind mit einer handzahmen Kampfdrohne unterwegs, um die Welt zu retten. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Carla, Ende 50, war mal bei der Fremdenlegion und hat auch sonst eine ziemlich obskure Vergangenheit. Die als Junge aufgewachsene Halbgar hat mit 19 endgültig die Nase voll von den Weltkrieg-Reenactments ihrer Eltern. Anna, 30, als Kind aus Kabul geflohen, jagt Trolle im Internet, und Skart, Mitte 20, säße heute noch in Bischofswerda, wäre ihr nicht wegen extremen Liebeskummers ohnehin alles egal. Gemeinsam haben sie nichts außer dem Wissen, dass die Welt um sie herum kaputt ist und es so nicht weitergeht. Doch auch die Weltrettung gibt es dieser Tage nur als Castingshow: Beim Grand Prix de la Vision werden die ganz großen Ideen gekürt. Obwohl ihre Pläne alles andere als ausgereift sind, treten die vier an - aber schon dass die Frauen trotz aller Differenzen gemeinsam nach Veränderung suchen, ist offenbar radikaler, als ihre Umwelt es aushält. 

"Zu viel will der Stoff von Laura Naumann der die Ratlosigkeit der Welt dokumentiert. Ebensolches Gefühl zeigt Regisseurin Alexandra Wilke. Das liegt vor allem am Text. Thema um Thema wird angeschnitten, der ganze Kosmos links-liberaler Identitätspolitik von der Gender-Selbstdefinition bis zur ironischen Konsumkritik und der Kritik an dieser wird mit Fragmenten überspannt. Ausbuchstabiert oder -artikuliert findet sich davon nichts.  Übersättigt zur Floskelwolke regnet der Text schließlich nur noch traurige Tropfen Beliebigkeit ab. Szenisch einfangen lässt sich das nicht mehr."

Nachtkritik, Tobias Prüwer

grand prix de la vision | Laura Naumann | Schauspiel Chemnitz