REGIE 

Die zweieinhalb Leben des Heinrich Walter Nichts

UA von Lukas Linder
Schauspiel Leipzig | 2014

 

Regie | Alexandra Wilke

Bühnen- und Kostümbild | Thomas Weinhold

Dramaturgie Julia Figdor

Mit Ulrich Brandhoff, Daniela Keckeis, Tilo Krügel, Markus Lerch, Brian Völkner.

Am Anfang steht der "brave Bube" Walter, der sich aufgrund einer völlig weltfremden Erziehung durch den verschrobenen Vater und die abwesende Mutter schon bald mit der Rolle des Außenseiters arrangieren muss. Inspiriert durch den Zauberer Zacharias flüchtet sich der kleine Walter in die Zauberei – mit fatalen Folgen: nachdem er seiner Schulkameradin Margrit versehentlich in den Bauch gesägt hat, findet er sich in einer Besserungsanstalt wieder, wo ihm Zacharias, getarnt als Sozialarbeiter "Fränk", einen Schwur abringt, der darin besteht, sein altes Leben hinter sich zu lassen und von nun an als Boxer zu reüssieren. Flankiert von Dora Diamant – einer vollkommenen Verkörperung mütterlichen Double-Binds und nicht nur dem Namen nach kafkaesk konzipiert – schafft es Zacharias, aus dem kleinen Walter den Boxer Heinrich "die Nase" Frank zu machen und die Kontrolle über ihn zu erlangen. Doch Zacharias hat nichts Gutes vor. Als Boxer stagniert Heinrich und so hat Zacharias den Plan, "die Nase" zum ultimativen Verlierer zu coachen, um ihn als größte Lusche aller Zeiten zur lohnenden Attraktion zu machen. Blind vor Liebe zu Dora tappt Heinrich Zacharias in die Falle. Kurz vor dem alles entscheidenden Kampf verlässt Dora Heinrich wie geplant und Zacharias’ Kalkül geht auf: der völlig paralysierte Heinrich erleidet die vollkommenste Niederlage, die die Welt je gesehen hat.

"Wir selber wollen unsere Experimente und Versuchs-Thiere sein" (Nietzsche): Ob Heinrich wirklich im Selbstentwurf ein neues Leben beginnt, ob das nur eine in der Fantasie ausgemalte Kopfgeburt ist, komatöser Traum eines geschlagenen Boxers oder in Schizophrenie gründet, ist nicht auszumachen, auch wenn Wahn wahrscheinlicher ist. Diese Uneindeutigkeit begründet zum Teil den Reiz des Stoffes. Wilke entwirft ein sehenswertes, leicht verrätseltes Kopfkino, das die Ebenen vermischt. Das gelingt einerseits aufgrund der durchdachten Bühne."

Nachtkritik, Tobias Prüwer

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